Interview mit Martin über mehr Nachhaltigkeit beim Haus bauen und im Alltag

Aktualisiert: 5. Nov 2019

Wie hat bei dir alles angefangen?  Mit der Persönlichkeitsentwicklung kam ich zum ersten Mal vor ca. 15 Jahren in Kontakt, über meine Mutter. Damals hatte sie zudem viel Yoga und Ayurveda praktiziert, ich persönlich konnte zu der Zeit noch nichts damit anfangen. Ich dachte immer: „Es ist ja eigentlich ganz cool, aber für mich ist es jetzt nichts, aber in der Zukunft werde ich darauf Lust haben!“ Als Teenager hatte ich ganz andere Sorgen, ich fand es nie peinlich oder so. Ich fand das Thema interessant, aber es war zu der Zeit noch nicht meins. Als ich später mein Abi machte, schrieb ich damals folgendes in unser Abibuch: ,,Ich werde mal in meinem eigen kreierten Haus auf Tahiti leben.'' Zu diesem Zeitpunkt war mir noch nicht im entferntesten klar, dass ich später Architektur studieren werde. Ich hatte mich damals in Stuttgart für Mediendesign eingeschrieben, ich landetet aber auf den hinteren Wartelisteplätzen und entschied mich daraufhin erstmal zum Bund zu gehen. Im Anschluss schnappte ich mir ein dickes „Berufe-Buch“ um es von vorne bis hinten durchzuarbeiten. Was ich wusste war nur, dass ich etwas Kreatives machen möchte und nicht andauernd im Büro sitzen will! Es kristallisierte sich der Studiengang Architektur heraus und neue spannende Aufgaben und Herausforderungen lagen nun vor mir. Der Studiengang war sehr komplex und super interessant, aber dieses Gerede über „Designs“ und die großen Architekten, war definitiv nicht meins! Ich erhoffte mir mehr über nachhaltige Themen reden zu können, weil es gerade in dieser Branche wichtig ist, wie ich damals schon fand! Nach dem Bachelor in Architektur wusste ich dann: „Es soll auf jeden Fall in Richtung Nachhaltigkeit gehen.“  „Zufälligerweise“ bot meine FH den Studiengang „Zukunftssicher Bauen“ an und für mich war sehr schnell klar, dass das der richtige Studiengang war. Dieser Studiengang  wurde sogar von der UN gefördert. Da hat es dann schon angefangen, daß sich die Dinge gefügt haben.  Nach dem Studium bin ich in ein nachhaltiges Architekturbüro, das war okay, aber auch noch nicht das was ich wirklich wollte. Es ergab sich schnell die Chance für ein international bekanntes Bauingenieurbüro zu arbeiten. Mein dortiges Tätigkeitsfeld war die Bauphysik, d. h. Wärme- und Schallschutzthemen galt es zu bearbeiten. Nach 3 ½ Jahren war dort Schluss, obwohl die Entscheidung schon viel früher fiel, da es mal wieder nicht richtig passte. In mir schlummerte mehr, mir war das immer nur sehr unterbewusst klar, aber ich musste auch meine Erfahrungen haben. Ich lernte unglaublich viel in der Zeit über die Bauwirtschaft (primär negatives) und über mich selbst. In dem Büro wurde gefühlt das Rad ständig neu erfunden und das nervte mich extrem. Der Hauptgrund für meine Kündigung war letztlich, dass nachhaltiges Bauen so gut wie gar nicht praktiziert wurde. Mit dieser Tatsache konnte ich nicht weiter leben! Fünf Jahre zuvor kam Jasmin, meine Freundin (mit Ihr findet Ihr auch ein Interview über Selbstliebe und Achtsamkeit im Blog), in mein Leben und es hat sich einiges geändert, natürlich im Positiven.  Beispielsweise kam auch die Persönlichkeitsentwicklung zurück in mein Leben...  Wir hatten über Freunde von einem angehenden Coach (Joao Heep) gehört, der uns gleich sympathisch war und wir besuchten sein Seminar. Dadurch entwickelte sich ein riesiger „Change“ und die Dinge begannen sich spürbar ins Positive zu wandeln. Während einem 3-monatigen Coaching (bei Merle und Oliver Ranft, heute „Divine Business“), dass kurz darauf folgte, änderte sich mein Leben um 180 Grad. An dieser Stelle muss ich die beiden einfach weiterempfehlen! Sie haben hinsichtlich meiner Persönlichkeitsentwicklung, meiner Spiritualität und dem Aufbau meines Business’s großartiges bewirkt. Es hat sich u. a. herauskristallisiert, dass ich die Welt zu einem besseren Ort machen möchte, indem ich nachhaltige Gebäude bauen will und zwar auf meine Art und Weise. Diese Zukunftsvision erfüllte mich so sehr, dass ich nun wusste, was die ganze Zeit in mir schlummerte. Es war zwar nicht einfach dies zu realisieren, aber meine eigentlichen Ziele waren noch viel größer. Ich entschied mich diese geniale Herausforderung anzunehmen. Es half zu wissen, was das ganz große Ziel war: die Welt auf verschiedenen Ebenen zu einem besseren Ort zu machen. Zum einen ein nachhaltiges Mindset den Menschen an die Hand zu geben und zum anderen GreenSoulCities zu errichten (bestehend aus einem Netzwerk von GreenSoulHouse’s) <3. Einige Jahre ist es her, da habe ich die ersten Entwürfe in meinen Gedanken kreiert und die Grundidee war im Kopf schon geboren. Nun galt es die Gedanken und Ideen umzusetzen und auszuarbeiten. Das Schöne war nun, ich musste nicht mehr von 0 beginnen. Es war nun an der Zeit endlich mein eigenes Business zu starten Eigentlich war dann nur noch die Frage, wann und wie kündige ich?!  Es kam Eins zum Anderen, ich habe mich bezüglich der Kündigung informiert und es kann ja eigentlich gar nicht viel schiefgehen. Mein Coach und die Gruppe von positiven Menschen, die mich unterstützten, standen stets hinter mir. Mit meinem neu gewonnenen Mindset war alles viel einfacher. Da wir in einem so großartigen Land leben, landet auch keiner so schnell auf der Straße! Die Last auf meinen Schultern, dass alles ja so schwer sein würde, wurde (allmählich) immer kleiner. Es lief einfacher als gedacht :-).  Kurze Zeit später, Anfang März, gründete ich mein eigenes Unternehmen, mit dem passenden Namen: GreenSoulHouse.

Was war deine größte Motivation hinter GreenSoulHouse? 

Ich wollte die Standards in den normalen Architekturbüros für mich nicht mehr akzeptieren und eine nachhaltigere Version vom Bauen kreieren. Niemand denkt darüber nach wie viel Beton, Plastik und schädliche Ressourcen verbaut werden und was nach dem Bauen mit den Stoffen passiert... Die Häuser, die nicht nachhaltig gebaut wurden, sind auch nicht die Häuser, die man lange behalten will. Man reißt diese oftmals relativ schnell wieder ab, und nun…? War das der Sinn dahinter? Es gibt auch kein Gesetz im Bauwesen, welches besagt, dass ein bestimmter Anteil an ökologischen Baumaterialien verbaut werden muss. So kam dann für mich Eins zum Anderen und das war für mich der Punkt, an dem ich gesagt habe: “Ich möchte es anders machen!“. In der Nachhaltigkeit gibt es ja auch so viele Ansatzpunkte, aber niemand möchte dafür verantwortlich sein.  Natürlich spielte bei meiner Gründung auch selbstbestimmtes Arbeiten eine Rolle, d. h. die Arbeitszeit und -form selbst einteilen zu können. Was ist deine Aufgabe im Unternehmen? Wie einfach / schwer war es für dich die passenden Partner und Dienstleister zu finden, bei denen Nachhaltigkeit auch wirklich gelebt wird?  Also ich kümmere mich eigentlich um alles, da es sich bei GreenSoulHouse um ein Generalunternehmen handelt, d. h. ich bin Geschäftsführer. Die Kunden kommen zu mir und  stellen sich ähnlich wie bei Ikea mittels eines Baukastenprinzips ihr Traumhaus zusammen. Sie brauchen sich dann auch nicht mehr um einen Architekten oder Handwerker zu kümmern, denn es handelt sich bei GreenSoulHouse um ein rund um sorglos Service. So gut wie alle Planungsleistungen kann ich selbst abdecken, der Rest wird von meinem externen „Team“ bearbeitet. Die Gewerke werden gezielt ausgewählt. Zudem wird berücksichtigt, dass die jeweiligen Anfahrtswege möglichst gering gehalten werden. Teilweise muss ich viel recherchieren,  um den Richtigen zu finden. Im Endeffekt stelle ich auf diese Weise mein Team zusammen. Eine zuverlässige, ehrliche und langfristige Zusammenarbeit mit einem Sinn für nachhaltiges Bauen ist das Ziel.  Mit welchem Fokus kommen deine Kunden zu dir? Denken Sie bereits nachhaltig?  Bis jetzt war meinen Kunden die Nachhaltigkeit immer wichtig, aber natürlich ist es auch wichtig, dass man sich sympathisch ist. Selbst wenn die Leute sagen: „Die Nachhaltigkeit ist ein schöner Nebeneffekt“ und sonst denken Sie eher noch in alten Mustern, überlege ich mir gut, ob ich mit der Person zusammenarbeiten möchte. Es ist ja ein längerer Prozess, in dem es um viel Geld und Vertrauen geht. Daher möchte ich auf jeden Fall nur mit Menschen zusammenarbeiten, bei denen es auch wirklich stimmig ist.   Im Endeffekt geht es mir um das große Ganze, d. h. das Ziel dahinter. Wie integrierst Du die Nachhaltigkeit in deinem privaten Leben (neben dem nachhaltigem Bauen)?

Man könnte jetzt schnell den Eindruck gewinnen, dass ich praktisch kein Müll erzeuge und in allen Lebensbereichen extrem nachhaltig agiere. Das stimmt so nicht ganz, denn Extreme gibt es bei mir nicht! Der für mich wichtigste Punkt ist es, bewusst Entscheidungen zu treffen und für diese auch die Verantwortung zu übernehmen. Dementsprechend versuche ich grundlegende Dinge, wie bspw. „Mülltrennung“ sehr genau zu machen, überlegt einzukaufen und das Auto möglichst stehenzulassen (das ist mir wichtig). Ich gucke aber auch auf den Preis, Zeitaufwand und wie praktikabel das jeweilige Verkehrsmittel für meine Situation ist. So wäge ich ab, ob ich mich für öffentliche Verkehrsmittel oder doch das Auto entscheide. Privat gilt bei mir das Motto: „Lass’ die Kirche im Dorf!“. Wir versuchen den Fleischkonsum sehr gering zu halten, manchmal überkommt uns aber auch die Lust und dann greifen wir natürlich nur zu biologischen Produkten. Ich betrachte möglichst alles mit Liebe beziehungsweise frage mich, wie würde sich die Liebe entscheiden?! Auch im Business darf ich Kompromisse eingehen, denn wenn ich GreenSoulHouse zu 100% ökologisch bauen wollte, müsste ich nur Lehm- und Bambushäuser bauen.  Grundsätzlich vertrete ich die Meinung: „Wenn wir uns über den Wert unserer (Um-) Welt und des  gesamten Lebens gegenüber bewusster wären, würde sich unser Handeln sehr viel nachhaltiger gestalten. Es gäbe zudem erst gar nicht die Probleme, die uns aktuell so schwer zu schaffen machen. Genau aus diesem Grund, vertrete ich meine Werte-Einstellungen in meinem Businessalltag so energisch (siehe hierzu im letzten Abschnitt zu: „Big 5 for life“. Wenn wir wieder auf das Thema Nachhaltigkeit in der Baubranche zu sprechen kommen, dann können wir das sehr gut am Beispiel von Zement bzw. Beton festmachen, einem Baumaterial, dass auf 99% der Baustellen zum Einsatz kommt.  Entschuldige die Wortwahl, aber Zement/ Beton wird einfach total sinnlos verballert, weil es viele Vorteile mit sich bringt. Aber zu welchem Preis? In manchen Fällen kommt man an dem Werkstoff nicht vorbei und da ist er durchaus sinnvoll. Das Problem ist, dass i.d.R. der Preis die entscheidende Rolle spielt und auf welchen Schultern wird dies ausgetragen? Auf unser aller Schultern und besonders betreffen wird es die kommenden Generationen, weil das Thema Eigenverantwortung in unserer Welt viel zu kurz kommt. Jetzt haben wir den Salat!!! In den Städten wird es immer wärmer, aber trotzdem wird immer mehr gebaut, ohne angemessene Grünflächen zu schaffen. Dass der Zement unter schlimmsten Bedingungen abgebaut wird und der Wassermangel und die -qualität in den betroffenen Gebieten wie z.B. Indonesien dadurch immer schlimmer wird, wird nicht weiter hinterfragt. Zudem interessiert es auch niemanden welch’ ein Energieaufwand die Verarbeitung mit sich bringt, vom enormen CO2 Ausstoß und co. ganz zu schweigen!  Nochmal zu GreenSoulHouse: Arbeitet Ihr dort auch mit Innenarchitekten und Raumdesignern zusammen, welche Ihr weiterempfehlen könnt an Kunden, damit das nachhaltig gebaute Haus auch nachhaltig eingerichtet werden kann?  Noch nicht direkt, denn das Hauptaugenmerk liegt zunächst ganz klar auf dem Bau eines nachhaltigen und ökologischen Gebäudes. Begründet ist dies dadurch, da man i. d. R. im Besitz von ordentlichen Möbeln ist, welches es gilt primär weiter zu nutzen. Darauf aufbauend ist es sinnvoll sich bzgl. einer ökologischen Inneneinrichtung weitere Gedanken zu machen. Hier habe ich Innenarchitekten an der Hand, die ich kenne und sehr wertschätze. Empfehlen würde ich zunächst ein Bett, welches aus natürlichen Materialien gefertigt ist, um den Schlaf zu unterstützen, der besonders wichtig ist.  In welchen Größen kann man bei Euch ein Haus bauen?  Es stehen drei Grundmodule zur Auswahl. Diese weisen eine Breite x Höhe von 2,40m x 2,90m auf und unterscheiden sich in den Längen zwischen 3, 6, und 12m. Entsprechend der Anzahl der Module kann das GreenSoulHouse in TinyHouse-Größe starten, nach oben hingegen gibt es keine Grenzen. Die einzelnen Module können ganz nach „Gusto“ angeordnet und gestapelt werden. Die weiteren Schritte und Auswahlmöglichkeiten kann man sich wie bei einem Baukastensystem vorstellen. Die einzelnen Möglichkeiten hinsichtlich der Haustechnik, sowie der Oberflächengestaltung sind so vordefiniert worden, dass eigentlich kein Wunsch offen bleibt und trotzdem ist es jeweils eine nachhaltige Lösung, bei der man nichts falsch machen kann. Auf der GreenSoulHouse Webseite stehen Deine Big 5 for Life: Gesundheit, Naturschutz, Wahrhaftigkeit, Hilfsbereitschaft und Freiheit. Kannst Du dazu noch was sagen, inwiefern Dir die Dinge wichtig sind und welche Rolle sie in GreenSoulHouse spielen?  Gesundheit: Im Vordergrund steht selbstverständlich die Gesundheit aller Beteiligten. Zum einen sind das die Bauherren, die in einem gesunden Zuhause leben können. Zum anderen sind es die Menschen, die GreenSoulHouse’s bauen, z.B. Handwerker. Gerade bei externen Firmen kann ich nicht immer alles kontrollieren, aber ich schaffe die Rahmenbedingungen, damit eine gesunde Arbeitsweise möglich ist.   Naturschutz: Für den Naturschutz achten wir besonders auf nachhaltige Baustoffe. Die Natur ist einfach zu genial und faszinierend, als dass man Sie zerstören oder mehr belasten darf! Der Mensch muss nicht immer alles haben nur, um seine primitiven Bedürfnisse zu befriedigen, gerade wenn die Natur oder gar die Mitmenschen darunter leiden müssen.  Wahrhaftigkeit: Unter Wahrhaftigkeit verstehe ich, dass ich ehrlich und eigenverantwortlich gegenüber mir, meinem Unternehmen und allen Anderen bin. Ich möchte nicht mit jedem X-beliebigen zusammenarbeiten, denn mir geht es auch darum, dass jemand gleich bzw. Ähnlich  denkt und handelt wie ich. Meine Vision ist es, dass der gesamte Hausbauprozess und alles was dazu gehört auf eine gute Art und Weise und mit dem richtigen Mindset abläuft. Zum Beispiel werden pro gebauter Moduleinheit mindestens 200 Bäume gepflanzt, um die Faktoren, die nicht verhindert werden konnten (wie die LKW Abgase, zum Transport der Baumaterialien) wieder ausgeglichen werden können.  Hilfsbereitschaft: Das Wort steht ja eigentlich schon für sich und dass man füreinander da ist. Der gesamte Geschäftsprozess soll auf einer gesunden Ebene funktionieren d. h., dass soziale und nicht finanzielle Dinge stets im Fokus stehen!  Freiheit: Zum Thema Freiheit fällt mir folgendes Mantra ein, welches es einfach so schön auf dem Punkt bringt: „Lokah Samastah Sukhino Bhavantu“. Laura Malina Seiler hat dafür eine schöne Übersetzung gefunden, danke dafür! Es heißt: „Mögen alle Menschen, Tiere und Lebewesen glücklich und frei sein. Mögen alle meine Worte, Taten und Gedanken zu diesem Glück und zu dieser Freiheit beitragen.“  Für mehr Infos schaut auf jeden Fall mal bei Martin vorbei:  https://www.greensoulhouse.de und auf Instagram sowie Facebook unter: @greensoulhouse




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